Online eingereicht, offline verloren
Durch einen Arbeitsunfall durfte ich Bekanntschaft mit dem legendären Unfallformular machen. Erstmal nichts Ungewöhnliches, Papierkrieg gehört ja inzwischen fast zur medizinischen Versorgung dazu.
Dann die Überraschung, Oh, das kann man ja sogar online ausfüllen. Wie modern.
Also motiviert registriert, Account bei der BGHW angelegt, Formular ausgefüllt und nach ungefähr drei Fehlermeldungen und einem kleinen IT-Überlebenskampf tatsächlich erfolgreich versendet. Im Account stand stolz Formular versendet.
Ich dachte, Geschafft. Digitalisierung kann ja doch funktionieren.
Vier Wochen später kam das Formular erneut per Post. Mit Erinnerung.
Da wusste ich: Die wahre Reise beginnt erst jetzt.
Also im Account nachgesehen, dort stand weiterhin versendet. Sicherheitshalber das Formular nochmal schriftlich ausgefüllt und zusätzlich meiner Sachbearbeiterin eine E-Mail inklusive Screenshot geschickt, damit auch wirklich jeder sehen kann, dass das Formular bereits online verschickt wurde.
Daraufhin bekam ich… dieselben Seiten des Formulars nochmal zugeschickt. Mit denselben Fragen. Die bereits beantwortet wurden. Mehrfach.
Offenbar arbeitet man dort nach dem Prinzip,
Warum einmal bearbeiten, wenn man es auch fünfmal anfordern kann?
Besonders faszinierend fand ich die Kommunikation.
Auf meine E-Mails gab es keinerlei Antwort. Wirklich gar nichts. Nicht mal ein Wir haben Ihre Nachricht erhalten.
Ich hatte schon Sorge, meine Mails wären im digitalen Bermuda Dreieck verschwunden.
Aber dann die überraschende Wendung,
Die Mail wurde offenbar doch gelesen, denn plötzlich war das bereits versendete Formular aus meinem BGHW Account verschwunden.
Fast schon magisch. Antworten schreibt dort zwar niemand, aber Inhalte verschwinden können sie.
Mein Eindruck bisher.
Bei der BGHW scheint eine akute Schreiballergie zu herrschen. Diese betrifft nicht nur Sachbearbeiter, sondern offenbar auch die Hauptadresse INFO@. Dort hat man sich kollektiv darauf verständigt, E-Mails eher als dekoratives Element zu betrachten.
Fairerweise muss man sagen:
Mein Verletztenausgleich wurde immerhin pünktlich bezahlt.
Das Geld findet also offenbar zuverlässig seinen Weg nur die Kommunikation verirrt sich unterwegs regelmäßig.
Mein Tipp an alle Betriebe und Versicherten, die mit der BGHW zu tun haben:
Alles speichern. Wirklich alles. Screenshots, PDFs, E-Mails, Briefe, Rauchzeichen, Hauptsache nachweisbar.
Aktuell warte ich noch auf eine weitere Erstattung.
Per E-Mail keine Reaktion.
Telefonisch nicht erreichbar.
Jetzt also schriftlich.
Und wenn das auch nichts bringt, übernimmt die Kommunikation eben jemand, auf dessen Briefe plötzlich sehr schnell reagiert wird:
der Anwalt.








